Teil 4: Vom Corona-Virus eingeholt

Eigentlich hätte es in Mexiko noch viel zu sehen gegeben: Oaxaca, Monte Alban, ... Chiapas, Yucatan! Nun sind touristische Sehenswürdigkeiten geschlossen und von Yucatan berichten Reisende, dass auch die Campingplätze schliessen. Wir entscheiden uns deshalb, hier in San Agustin Etla zu bleiben und geniessen es auch, nach über einem Jahr Nomadenleben wieder etwas sesshaft zu werden - nötigenfalls für mehrere Wochen.


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16.5.20

Auf unserem Campingplatz in San Agustin Etla, Mexiko, wächst viel Stacheliges.



14.5.20

Noch nie im Leben hatten wir so viel Musse, wie in den letzten Wochen hier in San Agustin Etla in Mexiko. Es gibt nur weniges, was wir tun müssen, und wir können sonst machen, wozu wir Lust haben - allerdings nur auf dem Campingplatz sowie - mit einer Einkaufstasche über der Schulter - bis ins Dorfzentrum. Zudem ist es ab 10 Uhr morgens recht warm, was die Lust an konzentrierter Tätigkeit stark reduziert. Zum Beispiel möchten wir unsere Reiseerlebnisse in Fotobüchern festhalten, aber der Antrieb dazu fehlt komplett.

Gestern hat Ruth den für sie schwierigen Übergang in die Gruppe der 65-Jährigen und Älteren hinter sich gebracht. Glücklicherweise hat Markus diesen erleichtert: Er hat etwas Feines gekocht (Braten, Kartoffelstock, Rüebli sowie zum Dessert eine Wiener Glace) und es war sehr schön, den Geburtstag zusammen mit den Leuten vom Campingplatz zu feiern.



10.5.20

Auf dem Campingplatz ensteht ein neues Häuschen mit zwei Duschen und WC's. Als Schmuck wird hier eine Auswahl der Steine eingemauert, welche wir vier Frauen in den letzten Wochen bemalt haben.

Heute ist Sonntag. Eine Familie grilliert jeweils an diesem Tag Spare Ribs vor ihrem Haus und verkauft diese. Wir pilgern hin und kaufen davon.



8.5.20

Das Geschehen in der Schweiz verfolgen wir täglich mit grossem Interesse und Markus freut sich zu hören, dass seine früheren Kollegen weiterhin im Jura für PostAuto fahren dürfen. In "unserem" Dorf San Agustin Etla wurden inzwischen fünf Covid-19-Fälle gemeldet. Wir staunten nicht schlecht, als die Kommune als Gegenmassnahme Outdoor-Aktivitäten verbietet (mit etwas Achtsamkeit steckt man sich beim Spazierengehen nicht an ...). Unserer Meinung nach sind die lokalen Lebensmittelläden das grösste Risiko, und wir überlegen uns, wo und wie wir künftig einkaufen sollen. Für Einheimische ist zudem das Fahren mit Sammeltaxis risikant. Der Campingplatz, auf welchem wir stehen, leert sich und auch die letzten weiteren Gäste verlassen ihn.



5.5.20

Totenkultur: An vielen Orten in San Agustin Etla stösst man auf Bilder mit Totenköpfen und Skeletten und in Youtube gibt es Filme der Muerteada, einem Karneval am Dia des los Muertos, an welchem um Allerheiligen herum ausgiebig gefeiert wird.

Zu Covid-19 in Mexiko: Das Land hatte 2018 126.2 Millionen EinwohnerInnen. Gestern wurde von 24'905 Fällen (davon einem in unserer Gemeinde) berichtet sowie von 2'271 Verstorbenen. Im Vergleich hat die Schweiz 8.6 Millionen EinwohnerInnen, 29'778 Fälle und 1'785 Verstorbene.




Muerteada 2019 in San Agustin Etla

29.4.20

Wir haben viel Zeit und Musse.



27.4.20

Unser Leben spielt sich vor allem auf dem Campingplatz ab: Wir haben begonnen, auf dem Aussenrechaud zu kochen, damit sich das Fahrzeuginnere nicht noch zusätzlich aufheizt. Am Samstag haben wir die Mitbewohner/innen an den grossen Tisch zum Essen eingeladen. Dazu muss für das Züri-Geschnetzeltes zuerst ein Metzger und dann bei ihm ein geeignetes Fleisch gefunden werden - und dies in Spanisch. Das Kochen und Servieren selber meistert dann Markus wie immer gekonnt. Der Wechsel eines Raddeckels wird jedoch zu einer grösseren Übung, weil der Wagenheber immer wieder im Untergrund versinkt. Ruth's Blase ist seit mehreren Tagen gereizt und sie geht zum Doktor, was gar nicht so anders ist als bei uns in der Schweiz. Zudem freuen wir uns jeden Tag erneut am Gezirpe der Grillen und an den farbenprächtigen Blumen.



23.4.20

Wir haben Zeit, uns den kleinen Dingen im und um den Campingplatz in San Agustin Etla zu widmen. Über fast jedes Tier, welches wir sichten, freuen wir uns. Eine der Bereicherungen ist der Hund Pepino, welcher zuverlässig zur Stelle ist, wenn jemand kocht oder isst. Die Besitzerin des Campingplatz sagt, er sei ein ehemaliger Strassenhund, welcher vor Jahren beschlossen habe, hier zu wohnen und in der Tat sieht man ihm an, dass er schon viele Kämpfe ausgefochten hat. Vor drei Tagen hat sich Pepino entschlossen, Ruth bei ihrem täglichen Spaziergang zu begleiten. Das war - zumindest für Ruth - nicht nur angenehm, weil die Hunde am Strassenrand wie verrückt gebellt haben. Wenn wir der jeweiligen Gefahrenzone entronnen zu sein schienen, hat Pepino noch kurz das Bein gehoben und markiert, und damit seine Gegner nochmals zur Weissglut gebracht.

Auf dem Rand der Wassertonne leben zwei Frösche und erfreuen sich der vielen Mücken. Abends sieht man Spinnen, welche sehr scheu sind, aber beissen, wenn man sie aus Versehen anfasst. Gefährlich sind die Bisse nicht, sondern nur diejenigen der Schwarzen Wittwe, welche jedoch unter den Steinen und nicht in Holztischen und -bänken lebt. Nicht sichtbar sind die Termitten, von welchen wir nur die Spuren ihrer Fresslust sehen.



20.4.20

Mexikanische Dinge kochen. In den Läden gibt es immer wieder "Grünzeug", welches wir nicht kennen und bei dem wir manchmal nicht einmal wissen, ob es sich um eine Frucht oder ein Gemüse handelt (zum Beispiel - Chayote). Glücklicherweise haben wir in Amalia, der Besitzerin und Betreiberin des Campingplatzes, eine kompetente Anlaufstelle für unser Fragen. Sie lädt uns zu einem Gang durch ihren Garten ein und bereitet nachher für uns ungewohnte Dinge zu: Jicama, Chayote, Nopales, Aloe-Blüten und zum Trinken einen Pomelo-Saft. Yummi!



18.4.20

Seit 4.5 Wochen sind wir in San Agustin. Gestern haben wir erstmals seit der Sperrung das Dorf verlassen und unsere Gastgeberin hat uns zum Optiker gebracht, bei dem Markus zwei Brillen bestellt hat (Kostenpunkt: 500 Franken für eine Brille mit verdunkelden Gleitsichtgläsern!). Wir nutzten ebenfalls die Möglichkeit einzukaufen, wobei die Nonfood-Abteilung abgesperrt war. Auf der Fahrt mussten wir zwei Kontrollposten passieren: Auf der Hauptstrasse wurde kontrolliert, ob wir  Gesichtsmasken tragen und bei der Rückkehr ins Dorf, ob wir hierher gehören. Dabei wurde uns auch gesagt, dass ab kommendem Montag neben der fahrenden Person nur noch eine weitere im Fahrzeug sitzen dürfe. Nun: All dies dürfte Euch auch bekannt vorkommen ...



15.4.20

Unsere Tage in San Agustin verlaufen friedlich und angenehm - wenn wir nicht gerade wegen der Auslegung von Jass-Regeln aneinander geraten. Von der Semana Santa (Ostern) merkten wir ausser Papierblumen und -schleifen an Gartenhägen und Häusern nichts. Die Prozessionen waren abgesagt und die Kirchen blieben leer.

Spaziergänge im Dorf und in der Umgebung sind immer kleine Entdeckungsreisen: Gestern hat ein Bauer den Acker neben unserem Campingplatz mit zwei sehr wohl erzogenen Ochsen gepflügt und heute hat Ruth eine über einen Meter lange, grüne Schlange gesehen - leider (oder zum Glück?) überfahren auf der Strasse liegend. Wir haben die Musse, Objekte zu basteln (Markus), Steine zu bemalen (Ruth) und bei Kerzenlicht draussen zu sitzen und dem Zirpen der Grillen zuzuhören (wobei ehrlicherweise gesagt werden muss, dass wir den Nachtgeräuschen gelauscht haben, weil ganz zu Beginn des "Tatorts" das Wifi zusammengebrochen ist ...).


Grillen.m4a (267.79KB)
Grillen.m4a (267.79KB)



Es beschleicht uns bei diesem schönen Leben manchmal ein schlechtes Gewissen, weil wir es so hier so gut haben, während in der Welt alles drunter und drüber geht.



11.4.20

San Agustin Etla wird abgesperrt. Innerhalb kurzer Zeit stellen wir in "unserem" Dorf grosse Änderungen fest: Fand Ende der dritten März-Woche hier noch ein Jahrmarkt statt, sind plötzlich die Restaurants geschlossen und in unserem Campingplatz fährt ein Polizeiauto vor. Mit grosser Erleichterung erfahren wir später, dass unsere Gastgeberin zwar keine neuen Gäste mehr aufnehmen darf, dass die bestehenden aber bleiben dürfen. Am 6. April  sehen wir dann, dass eine der beiden Zufahrtsstrassen zu unserem Campingplatz mit einem Erdhaufen zugeschüttet ist, und wir erfahren, dass die Gemeinderegierung das Dorf abgeriegelt hat. Ein Verlassen sei weiterhin möglich, ein Zurückkommen jedoch nicht. Glücklicherweise haben wir einen Arzt im Dorf und dieser beschafft von uns benötigte Arzneimittel. Auch erweist sich einer der Lebensmittelläden im Dorf als richtige Fundgrube: Natur-Jogurt ohne Zucker und Süssstoff? Kein Problem: Solches hat es ganz hinten im Kühler! Diet-Coke: Ist am nächsten Dienstag da! Frisches Gemüse? Kommt jeweils dienstags und freitags! So lässte es sich problemlos mehrere Wochen nicht nur aushalten, sondern richtig gut leben.



6.4.20

Am letzten Donnerstag hat es erstmals seit Wochen geregnet. Von einem Tag auf den anderen hat die Regenzeit begonnen und wir haben jeden Nachmittag oder Abend ein Gewitter. 

2.4.20

Hunde in Mexiko schlafen tagsüber und bellen nachts - so jedenfalls empfinden wir es. Dazu haben wir einige Fotos zusammen gestellt.



2.4.20

San Agustin Etla: An das Leben auf dem Campingplatz El Rincon kann man sich gewöhnen: Wir sind die einzigen Camper, haben Dusche und Toilette für uns alleine und können hier auch unsere Wäsche waschen. In einem der Häuschen wohnt noch ein kanadisches Paar, dessen (günstiger) Rückflug abgesagt wurde und welches nicht einen teuren Repatriierungsflug bezahlen will.



27.3.20

Fast 1.5 Wochen sind wir jetzt in San Agustin Etla. Wir haben die drei Kirchen gesehen und wissen, wo es am Morgen frisches Brot gibt. Markus hat verschiedene Dinge am Fahrzeug erledigt und Ruth hat die nähere Umgebung erwandert. Zweimal sind wir im Nachbardorf gewesen, wo es einen Bodega Aurora-Supermarkt gibt. Bei unserem letzten Besuch haben wir mit Erleichterung festgestellt, dass es dort immer noch das meiste zu kaufen gibt. Bei Eintreten wurden unsere Hände desinfiziert und die Angestellten trugen Gesichtsmasken. 



24.3.20

San Agustin Etla ist eine Kommune mit knapp 4000 Einwohnerinnen und Einwohner. Von unserem Campingplatz aus können wir zu Fuss ins Dorf, wo es mehrere kleine Lebensmittelläden gibt.




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