Mexiko Teil 7 - San Agustin Etla (Ende) & Verschiffung & Mexiko City

Gut fünf Monat waren wir im mexikanischen Indio-Dorf San Agustin Etla, wo wir wegen Covid-19 geblieben sind. Hier fühlten wir uns sicher und hatten alles, was wir brauchten. Da sich keine Möglichkeit der Weiterreise abzeichnete, buchten wir für Mitte September 2020 die Verschiffung unseres Fahrzeugs nach Bremerhaven.

23.9.20

Rückblick auf unsere Nordamerika-Reise: Würden wir diese Reise wieder machen? Ja, genau so, und zusätzlich einen längeren Aufenthalt in Alaska anfügen (dieser war nicht möglich, weil Ruth sich erst einen Monat vor der Abfahrt um 6-Monate-USA-Visas bemüht hat, einiges schief gelaufen ist und wir deshalb nur 3 Monate in den USA bleiben durften). Zu beachten ist zudem, dass die US-amerikanische Visums-Uhr beim Grenzübertritt nach Alaska zu ticken beginnt und weitertickt, auch während die Reise zwischendurch in Kanada weitergeht.

Was hat uns am meisten gefallen? Das ist schwierig zu sagen, weil es so vieles gab, was uns gefallen hat. Da war zum Beispiel in Nova Scotia das Meer, dessen Eis soeben auftaute, die Niagara Fälle, der Flug über die 30'000 Islands, die pulsierende Stadt Winnipeg mitten in der Prärie, der Dumpster Highway welcher an das arktische Meer führt und das Dorf Tuktoyaktuk seit erst zwei Jahren erschliesst, die märchenhaften Wälder auf Vancouver Island, die grandiosen Nationalparks im Westen der USA, Baja California mit Kakteen und Stränden, die mexikanischen Städte in der Sierra Madre mit ihrem kolonialen Erbe, ... und am Schluss das Leben im Indio-Dorf San Agustin Etla, Oaxaca.

Das Leben und Zusammensein im Wohnmobil war sehr schön und das Fahrzeug hat sich bewährt. Losgefahren sind wir ohne Vorstellungen, wann wir mit unserem Fahrzeug in die Schweiz zurückkehren werden. Schon vor Ausbruch der Pandemie entschieden wir uns aber, im Herbst 2020 mit dem Wohnmobil wieder in die Schweiz zurückzukehren. Dafür waren zwei Gründe ausschlaggebend: Erstens wollten wir nicht der Panamericana bis nach Feuerland folgen, weil berichtet wurde, dass die Qualität des Diesels in verschiedenen Mittel- und Südamerikanischen Ländern (noch) nicht für Euro-6-Fahrzeuge geeignet ist. Zweitens beansprucht unsere Art zu reisen das Fahrzeug ziemlich stark und es gab am Wohnaufbau Verschiedenes zu erneuern, wobei gewisse Ersatzteile in Nordamerika nicht erhältlich sind (zum Beispiel das Fensterrouleaux, dessen Feder gebrochen ist, oder ein Wassersensor, welcher nicht mehr funktioniert). Auch möchten wir die Silikon-Fugen vom Hersteller selber kontrollieren und nötigenfalls ersetzen lassen. Und so wäre es auch ohne Covid-19-Pandemie Zeit gewesen, dass wir drei (Ruth, Markus, Fahrzeug) zur Generalüberholung in die Schweiz zurückkehren.

16.9.20

Heimreise: Am Tag unseres Abflugs konnten uns viel Zeit lassen, denn das Flugzeug startete erst um 21:05 Uhr. Also frühstückten wir in Ruhe, packten unsere Sachen, machten einige Einkäufe in der Umgebung und blieben bis zur Check-out-Zeit um 13 Uhr im Zimmer. Die Reception bestellte uns dann ein "Taxi", welches sich als Privatfahrzeug entpuppte (ein Uber?). Der Fahrer kannte sich trotzdem mit Schleichwegen aus, denn wegen erneuter Demonstrationen waren Teile des historischen Zentrums wiederum gesperrt. Auf die Frage, wofür oder wogegen demonstriert werde, sagte er "für ganz Verschiedenes" und erzählte, dass heute viele Leute unzufrieden seien. Nach einer guten halben Stunde waren wir - immer noch viel zu früh - am Flughafen. Wir hatten noch für 50 Franken Pesos im Sack - Geld, welches wir ausgeben wollten. Wir flanierten abwechselnd die Läden hinauf und hinunter. Neben Essen (Tacos, WOK) und Trinken (Cappuchino), kaufte Markus ein T-Shirt und Ruth ein Armband sowie einen Bumper fürs iPhone, welches sie nach dem Diebstahl ihres eigenen von Markus übernehmen wird.

Der knapp 11-stündige Flug nach Amsterdam war sehr angenehm. Die Plätze waren nur zu einem guten Viertel voll und so hatte jeder Fluggast eine Sitzreihe für sich alleine. Nach einem 2.5-stündigen Aufenthalt in Schipol ging es dann mit einem bis auf den letzten Platz besetzten City-Hopper nach Zürich und von dort aus mit Zug und Taxi nach Buchs.

Wie fühlen wir uns jetzt? Nach 1.5 Jahren Leben im Wohnmobil wieder in die Schweiz und in eine Wohnung zu kommen ist nicht einfach. Zur Zeit stehen wir völlig neben den Schuhen, und es fühlt sich an, als sei zwar unser Körper zurück gekommen, nicht aber der Rest. Wir schauen uns in der Wohnung um, welche Markus von seinen verstorbenen Eltern bekommen hat, und sehen, was alles zu räumen und zu renovieren ist. Die  Beschleunigung vom süssen Dolce-far-niente zu ein Leben mit  Verpflichtungen benötigt wohl noch einiges an Zeit.



14.9.20

Abschied: Gestern wollten wir zum Abschied unserer 1.5 Jahre langen Nordamerika-Reise am Abend fein essen gehen. Dies ist uns aber nicht gelungen. Ursprünglich wollten wir ins Grand Hotel am Zócalo. Dieser und die Strassen rundherum waren aber wegen Demonstrationen gesperrt, ein anderes, gediegenes Restaurant haben wir nicht gefunden, und so assen wir schlussendlich Tacos an einem Ort mit dem vielsagenden Namen "Salón Corona".



13.9.20

Letzte Tage in Mexiko City: Dies ist der zweitletzte Blog aus Mexiko, denn morgen fliegen wir über Amsterdam nach Zürich. Die vergangenen beiden Tage verbrachten wir im modernen Mexiko City, von dem wir vorher gar nichts gewusst haben. Auf breiten, baumbestandenen Avenidas sind wir hinausgefahren, haben die modernen, verspiegelten Hochhäuser sowie das einzigartige Museo Soumaya bestaunt und zusammen mit Sonntagsausflüglern Zeit in Pärken verbracht. Übermorgen ist der Nationalfeiertag und viele Gebäude und Fahrzeuge sind bereits geschmückt. Wir würden gerne noch etwas länger bleiben ...



13.9.20

Demonstrationen: In verschiedenen Städten und an unterschiedlichen Wochentagen treffen wir auf Demonstrantinnen und Demonstranten. Plötzlich sind Strassen gesperrt, der Verkehr ist umgeleitet, aus Megaphonen ertönen Kampfparolen und Gruppen von Menschen tragen Transparente und schwenken Fahnen. Gefordert werden unterschiedliche Dinge wie eine bessere Erschliessung indigener Dörfer, Recht auf Bildung, Prozess und Gefängnis für bestimmte korrupte Personen, Wasser, Gesundheits"brigaden", ...



12.9.20

Polizei, Militär und andere Sicherheitskräfte: Bewaffnete uniformierte Männer und Frauen haben wir hier in Mexiko häufig gesehen: In Baja California hatten wir regelmässig Strassensperren zu passieren (dabei wurde das Innere unseres Fahrzeugs zweimal inspiziert und wir wurden gefragt, ob wir Waffen dabei hätten). Einmal umkreisten bewaffnete Soldaten unseren Schlafplatz und es stellte sich heraus, dass sie nicht einordnen konnten, um was für ein Fahrzeug es sich bei unserem handelt. Öfters haben wir Polizisten und Soldaten mit einer Frage angesprochen und erhielten immer freundlich Auskunft. Lieber verdrängen tun wir die - ebenfalls freundlich verhängte - Busse, welche wir erst kürzlich bezahlt haben (siehe weiter unten). Im Weiteren leistete Tino, welcher in San Agustin Etla auf dem Campingplatz arbeitete, Einsätze für die Gemeindepolizei, und wir profitierten davon, weil ihm sein Chef und seine Arbeitskolleginnen bei unserem Abschied halfen, Girlanden und Ballone aufzuhängen.

Auch hier in Mexiko City sind bewaffnete Uniformierte sehr präsent und für uns der Anlass, einige Bilder von Begegnungen und Beobachtungen der letzten Monate zusammen zu stellen.



11.9.20

Jugendstil, Art Deco und andere schöne Gebäude: Wir sind erstaunt, in Mexiko City so viele Jugendstilgebäude anzutreffen. Zu den Gründen haben wir folgendes gelesen: 1877 wurde der ehemalige General Porfirio Diaz Präsident und blieb über 30 Jahre an der Macht. Er trieb die Modernisierung der Infrastruktur (zum Beispiel Eisenbahn, Telekommunikation) und die Industrialisierung des Landes voran. In Mexiko City entstehen während seiner Amtszeit viele Bauwerke im Pariser Stil.



11.9.20

Kirchen in Mexico City: Gestern spazierten wir durch das historische Zentrum von Mexiko City und besuchten auch verschiedene Kirchen. Das Wort, welches uns dabei immer wieder einfiel war nicht Demut oder Gottesverehrung sondern "Prunk". Die Konquistadoren haben in Mexiko City die Pyramiden der Azteken niedergerissen und ihnen ihr Gold geraubt. Dann haben sie die älteste und grösste Kirche des amerikanischen Kontinents gebaut - die Kathedrale mit ihren vielen Kapellen. In deren Inneren wuchern vergoldete Altäre die Wände hoch. Schön? Auf jeden Fall eindrücklich.



10.9.20

Fahrt von Veracruz nach Mexiko City. Mit dem Bus nach Mexiko City zu fahren ist einfach, günstig und komfortabel. Alles ist top: das Reservierungssystem, die Bus-Terminals und die luxuriösen Busse. Als Senioren bezahlen wir für die knapp 6-stündige Fahrt nur 20 Franken pro Person. Dank der Corona-Virus-Pandemie ist in der Hauptstadt die Auswahl an Hotels gross und die Preise sind günstig. Wir entscheiden uns wegen der zentralen Lage für ein City Express Hotel und machen nach dem Zimmerbezug gleich einen Spaziergang. Überall gibt es Stände mir grün-weiss-roten Gegenständen, weil am 16. September der Nationaltag gefeiert wird. Leider werden wir dann bereits nicht mehr hier sein.

Ruth war bereits vor gut 30 Jahren drei Tagen lang in dieser Stadt. Damals hing eine grosse, gelbe Smogwolke darüber und Ruth musste danach tagelang husten. Heute gibt es viel weniger Verkehr und das Bummeln ist angenehm. Wir freuen uns, als Abschluss der 1.5 Jahre dauernden Reise hier noch einige Tage verbringen zu dürfen.



8.9.20

Letzte Tage in Veracruz: Am Montag gehen wir gleich nach dem Frühstück zum Hafen, weil wir im Internet sehen, dass "unser" Autotransportschiff Polaris Highway in der Nähe ist. Schon von weitem fällt uns eine rot-weisse Wand auf, welche gestern noch nicht da war. Es ist wirklich ein RoRo-Schiff (Roll-in/Roll-out), aber nicht das gesuchte. Im Meer draussen sehen wir einen weiteren Koloss, welcher sich nähert, in den Hafen fährt und von Schleppern herumgedreht wird. Jetzt ist es die Polaris Highway und wir fragen uns, ob diese wirklich so lange im Hafen bleibt, damit sie unser Fahrzeug mitnehmen kann. Etwas später erhalten wir Bescheid, dass es der Zoll am Dienstag um 10 Uhr kontrollieren wird und es wie vorgesehen Mitte Monat mit einem anderen Schiff - der Hoegh Yokohama - transportiert werden wird. Nach dem faszinierenden Spektakel, welches ein grosser Hafen immer wieder bietet, entscheiden wir, ins Aquarium zu gehen. Dieses hat nach dem Corona-Shutdown gerade wieder aufgemacht. Auf dem Weg dorthin bekommen wir Hunger: In Veracruz gibt es viele "Restaurant de Mariscos" und wir gehen schlemmern.

Am Dienstag sind wir um 9:15 Uhr beim Agenten um mit ihm in den Hafen zu fahren. Inzwischen wissen wir, dass in Mexiko ein Termin um 10 Uhr nicht heisst, dass man dann auch dort ist, und wir wundern uns nicht, dass wir erst um 10:30 Uhr losfahren. Im Hafen sind dann unsere Zutrittsberechtigungen noch nicht bereit, und Ruth macht sich  Sorgen, als der Agent und die Zollbeamtin bereits mit den Fahrzeugschlüsseln losziehen, um mit der Inspektion zu beginngen: Zu vieles gibt es in unserem Fahrzeug, was man abbrechen, abmurksen, falsch bedienen kann. Nach einer halben Stunde erhalten dann auch wir Zutritt und sehen, dass die Inspektion ins Stocken geraten ist: In der Garage  (dies ist der Raum hinter den grossen Klappen links und rechts) hat sich ein Behälter verklemmt, und das Betreten des Innenraums war nicht möglich, weil sie nicht wussten, wie die Treppe ausgefahren wird. Glück hatten wir mit dem Wetter: Man muss für den Zoll die Schränke leeren und den Inhalt aus dem Fahrzeug nehmen. Wo soll man ihn hinlegen, ausser ihn auf dem Boden auszubreiten (bei Regen gar nicht lustig!)? Die meisten Lebensmittel hatten wir in vorauseilendem Gehorsam entsorgt, und deshalb wissen wir nicht, ob sie wirklich beanstandet worden wären (die Dosen hatten wir drinnen gelassen, was kein Problem war). Der Drogenschnüffelhund war krank und dieser Prüfschritt entfiel. Nach dreieinhalb Stunden verabschiedeten wir uns von Roberto, Caroline und Zabdi, welche alles für uns organisiert und uns begleitet hatten: Herzlichen Dank für das grosse Engagement und das gelungene Ergebnis!



6.9.20

Der morbide Charme von Veracruz: Im Vergleich zu anderen mexikanischen Städten haben wir den Eindruck, dass in Veracruz zwar die Autos auf den Strassen neuer sind, die Menschen im historischen Zentrum aber älter und die Fassaden der Häuser bröckeliger.



5.9.20

Ablieferung des Fahrzeugs: Markus hat gestern das Fahrzeug im Hafen von Veracruz abgeliefert. Dies war nicht so einfach, weil er das Ganze zum Teil alleine machen musste (die Agentin durfte ihn nur anfangs begleiten) und Markus kein Spanisch versteht. Nach dem Röntgen des Fahrzeugs fuhr er nichtswissend an einem Häuschen vorbei um dann die Papiere für die Verschiffung abzuholen. Dabei merkte man, dass der Stempel fehlte, welchen er im erwähnten Häuschen bekommen hätte. Er musste durch das Labyrinth wieder aus dem Hafen hinausfahren. Das erneute Hineinfahren dauerte seine Zeit, da die Lastwagenkolonne wegen einem Gewitter zum Stillstand kam. Glücklicherweise begleitete ihn die Agentin erneut eine Weile. Nach einer Stunde war er wieder am gleichen Ort - dieses Mal mit Stempel. Als bezüglich dem Fahrzeug schlussendlich alles in Ordnung war, fehlte Markus der Zettel zum Verlassen des Hafengeländes ... Nach gut dreieinhalb Stunden war er schweissgebadet und hungrig zurück in der Agentur. In dieser Zeit hatte er Führerausweis, Fahrzeugausweis und Pass wohl ein dutzend Mal hervorgekramt und wieder versorgt. Ruth hatte es inzwischen schön: Sie konnte die Gegend rund um die Agentur erkunden.



4.9.20

Vorbereiten der Verschiffung: Am Dienstag kommen wir in Veracruz an und steuern das  Hotel Baluarte an, welches uns andere Reisende mit grossen Fahrzeugen empfohlen haben. Die Einfahrt ist dann aber nur so hoch, dass Markus ein Durchkommen gerade noch für möglich hält. Ein Hotelangestellter weist ihn ein und zeigt, dass noch einige Zentimeter zur Verfügung stehen. Dann ein kleiner Absatz vorne, das Fahrzeug hebt sich hinten, die Klimaanlage wird eingeklemmt und beim Rückwärtsfahren hören wir auf dem Dach ein äusserst unerfreuliches Geräusch. Erst jetzt kommt ein zweiter Hotelangestellter hinzu und erklärt Markus, dass es auf der Rückseite des Hotels einen wirklich grossen Parkplatz hat ...

Am Mittwoch wird das Fahrzeug gewaschen und Markus richtet es innen für den Transport her - was ohne Klimaanlage bei diesem feucht-warmen Wetter eine sehr schweisstreibende Arbeit ist. Am Donnerstag ist vorgesehen, dass wir das Fahrzeug am Hafen abgeben. Dazu fahren wir zuerst zum Agenten. Dieser macht Kopien der für die Verschiffung wichtigen Papiere und wir bezahlen seine Arbeiten (ca. 550 Franken). Dann fahren wir mit ihm zum Banjercito, wo bereits eine lange Schlange von Leuten am Warten ist. Nach gut 3.5 Stunden und 55 US$ ist die Einfuhrbewilligung gelöscht und das Fahrzeug zur Ausfuhr bereit. Die Abgabe am Hafen klappt dann allerdings nicht, da die Zufahrt wegen einem Unfall blockiert ist, und so werden wir wir es heute nochmals versuchen. Für nächste Woche sollten wir dann einen Termin beim Zoll bekommen.



1.9.20

Fahrt nach Veracruz: Mit einem Kloss im Hals fahren wir vom Ort weg, welcher fast ein halbes Jahr lang unsere Heimat war, Da sehen wir, dass die wegführende Strasse mit roten und weissen Ballonen und Girlanden geschmückt ist, und der Kloss wird nochmals grösser. Wir verabschieden uns mit Tränen in den Augen von Tino, welcher diese mit seinen Freunden aufgehängt hat. Als wir das Dorf hinter uns gelassen habe, kommt dann aber Freude am Reisen auf. An diesem schönen Sonntagmorgen hat es kaum Fahrzeuge auf der Strasse und wir kommen zügig voran. Erst als sich die Strassen von Oaxaca und Mexiko City nach Veracruz vereinen, fährt eine nicht enden wollende Kolonne von Lastwagen Richtung Küste. Wohnmobile oder andere erkennbar von Ausländern gefahrene Autos sehen wir keine. In Cordoba legen wir einen Zwischenstopp ein. Die Stadt soll in einem Kaffee-Anbaugebiet liegen. Kaffesträucher sehen wir jedoch keine - oder erkennen diese nicht als solche. In dieser Gegend ist es für uns ungewohnt feucht und warm. Wir übernachten an einem tropischen Ort und um 22 Uhr ist es immer noch 28 Grad warm. Glücklicherweise gibt es hier sehr viele Spinnen und es hat kaum Mücken. Am nächsten Morgen sehen wir den höchsten Berg Mexikos: den Citlaltépetl (auch Pico de Orizaba genannt). Er ist gut 5600 Meter hoch und der höchste Vulkan Nordamerikas.

Wir haben noch einen ganzen Tag, über welchen wir frei verfügen können, und schauen auf der Landkarte, wie wir diesen verbringen könnten. Wir entschliessen uns, durch das Hinterland in die Stadt Orizaba zu fahren. Auf der Strecke erhalten wir von einem Polizisten mit Motorrad mehr Zuwendung, als uns lieb ist. Falsch gemacht haben wir nichts, aber er möchte unsere Papiere sehen - und da entdeckt er, dass jenes der Fahrzeug-Haftpflichtversicherung abgelaufen ist, und die gültige Haftpflichtverschichung haben wir nur als elektronisches Dokument. Er zeigt uns in einem Gesetzesbüchlein einen Artikel, welchen wir wohl auch auf Deutsch nicht verstehen würden. Dann kritzelt er eine Formel auf ein Papier und hinten kommt eine für Mexiko enorm hohe Summe von über 2000 Pesos heraus (ca. 100 Franken). Ruth sagt ungläubig "nein, nein, nein" und hält ihm dann 500 Pesos hin. Dann legt sie nochmals 100 Pesos drauf und wir erhalten die Fahrzeug- und Fahrausweise wieder zurück. Orizaba ist eine Stadt mit 120'000 Einwohner/innen, ohne dass man ihr die Grösse anmerkt. Besonders bemerkenswert war für uns der aus Stahl und Eisen errichtete Palacio de Hierro, welcher von Gustav Eiffel für die Industrieausstellung in Belgien 1889 entworfen wurde. Auf dessen Terrasse konnten wir Kaffee trinken und dem bunten Geschehen zuschauen. Am nächsten Tag ging es dann weiter ans Meer bis nach Veracruz.



29.8.20

Abschied: Plötzlich geht alles ganz schnell! Wir haben uns darauf eingerichtet, morgen loszufahren und innerhalb einer Woche gemütlich nach Veracruz zu tuckern. Da erhalten wir die Nachricht, dass wir uns bereits kommenden Donnerstag im Büro der Agentin melden sollten, welche mit dem Verschiffen unseres Fahrzeugs betraut ist. Zuvor müssen wir noch das Fahrzeug waschen, es reisefertig machen, Dollars kaufen etc. etc.. Also wird nichts mit der Fahrt über die Sierra Madre Oriental, und auch die Frage, ob wir unsere Badehosen noch brauchen, hat sich beantwortet. Ebenfalls teilt uns die Agentin mit, dass wir keine Lebensmittel verschiffen dürfen, und wir interpretieren das so, dass damit nur aufgebrochene Packungen gemeint sind. Das Abschiedsessen hilft uns beim Abbau der Vorräte, aber die Coca-Cola-sin Azucar- und die Milch-Bestände sind noch sehr hoch. Wir beginnen mit dem Verschenken. Auch landen zwei Paar Schuhe, im Müll. Mit dabei sind die Wanderschuhe, welche Ruth erst in den USA gekauft hat, und die bereits so kaputt sind, dass man sie nicht mehr reparieren kann. Wir blicken vorwärts auf das, was noch alles erledigt werden muss, und zum Aufkommenlassen von Wehmut bleibt uns keine Zeit.



25.8.20

Film über San Agustin Etla: Nächsten Sonntag werden wir nach 5.5 Monaten dieses Dorf verlassen, langsam nach Veraruz fahren, und dort unser Fahrzeug nach Bremerhaven verschiffen. Als Homage an dieses Dorf mit seinen liebenswürdigen Leuten haben wir einen Film gemacht.



25.8.20

Alkoholische Getränke: Mexiko ist ein gutes Land für Leute, welche gerne degustieren. Im Valle de Guadalupe im Norden des Landes werden Reben gepflanzt, in der Nachbarschaft unseres Campingplatzes gibt es eine Cerveceria, die Bier braut, und die Gegend von Oaxaca de Juaréz ist bekannt für den Mezcal, welcher aus Agaven hergestellt wird (dieser heisst in der Gegend von Tequila ebenfalls Tequila).



25.8.20

iPhone gestohlen: Letzter Donnerstag war ein schöner Morgen. Wir standen früh auf, um zum Autozone - dem Lieblingsladen von Markus - zu wandern, und dort Bremsreiniger zu kaufen. Unterwegs kamen wir in San Pablo Etla an einem Stand vorbei, wo zwei Frauen Chicharrón zubereiteten und verkauften. Ruth machte mit ihrem Handy ein Foto und kaufte dann eine Portion. Als sie wieder gehen wollte, fand sie ihr Handy nicht mehr. Sie durchsuchte ihren Rucksack, das Telefon war nicht da und es musste gestohlen worden sein. Am Stand waren nur drei Personen: die beiden Verkäuferinnen und eine Kundin, welche bereits gegangen war. Die Verkäuferinnen hatten die Kundin in Verdacht, Ruth ist sich da nicht so sicher. Das Telefon blieb jedenfalls verschwunden und wir nahmen ein Dreirad-Taxi, um den Diebstahl anzuzeigen. Dies machte man hier nicht bei der Polizei sondern bei der Gemeindeverwaltung, und wir erhielten ein Papier mit vielen schönen Stempeln. Nur: Das Handy ist und bleibt verschwunden und damit der Zugang zu unserem Webseiten-Provider, zum Kreditkarten-Konto etc. etc. Nun ist Ruth mit recht viel Aufwand dran, alles wieder zum Laufen zu bringen.



16.8.20

Unser Wochenende in San Agustin Etla: Grosse Sprünge machen wir hier nicht. Ausser einem Spaziergang in einen anderen Teil des Dorfes und dem Einkaufen von Lebensmitteln verbringen wir unsere Zeit auf dem Campingplatz. Langweilig wird uns aber trotzdem nicht, gibt es hier doch immer wieder etwas zu sehen. Und dann haben wir noch das Internet und damit machen wir das gleiche wie in der Schweiz: Die Radiosendung "Persönlich" hören sowie den Sonntagskrimi und Youtube-Videos schauen.



15.8.20

Elektroinstallationen: Bereits in den USA waren Stromkabel eines unserer Fotomotive, aber in Mexiko sind die Elektroinstallationen noch eindrücklicher. Wenn sie nicht unser Sujet waren, haben wir uns jedoch zuerst verrenkt, um sie nicht auf dem Bild zu haben. Mit der Zeit haben wir sie lieb bekommen, weil sie einfach zu diesem Lande gehören. Inzwischen vermissen wir sie fast, wenn sie in sanierten Innenstädten in den Boden verlegt sind ...



13.8.20

Morgenspaziergang: Wiederum ein frischer, schöner Morgen. Beim Spaziergang macht sich etwas Wehmut breit. Letzte Woche haben wir die Verschiffung unseres Fahrzeugs von Veracruz/Mexiko nach Bremerhaven für Mitte September 2020 gebucht, weil sich wegen Covid-19 weder eine Öffnung innerhalb von Mexiko noch nach USA abzeichnet. Mit der Buchung hat sich unsere Gefühlslage komplett verändert: Es ist vorbei mit dem angenehmen "in-den-Tag-hinein-Leben" und innerlich haben wir anfangen aufzulisten, was hier und in der Schweiz alles zu erledigen ist.



10.8.20

Mexikanerinnen und Mexikaner: Heute waren wir wegen Ruth's Brille wieder in Oaxaca de Juárez - aber eigentlich sind wir auch sonst gerne hingefahren: Wiederum haben wir dort gut gegessen und knuspriges Brot gekauft. Was uns beim Durchsehen der heutigen Fotos auffällt: Den ganzen Tag haben wir keine unfreundlichen oder hässigen Menschen getroffen. Dies ist einer der Gründe, warum es uns in Mexiko so gefällt.



8.8.20

Villa de Etla: Diese Gemeinde liegt 6.5 km von San Agustin Etla entfernt und hat fast 10'000 Einwohner/innen sowie mehr Einkaufsmöglichkeiten als unser Dorf. Wir waren schon mehrmals dort im Supermarkt, aber gestern gingen wir erstmals in die Markthalle.



7.8.20

Ameisen"haufen": Wer hat im Leben schon einmal so viel Musse, um die Welt um sich herum ganz genau anzuschauen? Wir gehören diesbezüglich im Moment zu den ganz Privilegierten. Unter anderem haben wir Zeit, die Behausungen von Ameisen zu studieren und stellen fest: Es gibt ganz unterschiedliche Typen - nur den bei uns so augenfälligen Ameisenhaufen treffen wir nicht an.




<<< Retour zum Teil 6